Zum Haare raufen

Was dachten Sie denn heute morgen, beim Blick in den Spiegel? So von Angesicht zu Angesicht? „Wieder ein graues Härchen mehr!“ Dabei galten graue Haare in früheren Zeiten doch als ein Zeichen von Klugheit. Heute dagegen sind für viele graue Haare wenig attraktiv. Deshalb weg mit Ihnen! Wer kann das besser erledigen als der Friseur. In Deutschland werden jährlich rund 350 Millionen Mark für Haarfärbemittel ausgegeben; 25 Prozent der Frauen und auch immer mehr Männer färben ihr Haar, meist nur, um das Grau zu verdecken.

Junge Leute sprechen offen aus, dass sie sich die Haare färben lassen wollen. Ältere Herren drucksen da schon eher herum, von wegen Empfehlung der Ehefrau oder aus der Bekanntschaft. Den wahren Grund erfährt der Friseur eigentlich nie. Dafür ist die Hemmschwelle dieser Herren einfach zu groß. Äußerst dankbar sind diese Kunden natürlich, wenn der Haar-Stylist sofort die nötige Diskretion walten lässt: Dabei sitzt der Mann beim Friseur immer noch lieber um die Ecke, nicht vorn im Schaufenster.

Sitzt der Kunde erst einmal erleichtert im Frisier­stuhl, dann hat er die Auswahl zwischen Strähnchen, Tönung oder Färben. Letzteres ist bei der Anwendung für andere Kunden des Salons natürlich am auffälligsten: Damen lassen schon mal Bemerkungen fallen, wenn sie mitbekommen, dass Herren sich die Haare färben lassen. Dann wird meistens gelästert wie: Der hat’s gerade nötig oder vom Märchenprinz zum Froschkönig.

Bitte, bitte, meine Herren, lassen Sie sich durch derartige Aussagen bloß nicht entmutigen. Denken Sie an die vielen anderen Mitmenschen, die ihre Haarfarbe selbstbewusst verändern lassen. Schauen Sie sich doch um! Egal, ob Sie also ihr graues Haar kaschieren oder auch zukünftig weiter zur Schau tragen wollen. Auf jeden Fall sollten Sie es mit Gleichmut betrachten, etwa nach dem Motto: „Schnee auf dem Dach besagt nicht, dass im Kamin kein Feuer mehr brennt.“

Foto von pexels

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