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Zwischen Mondfähre und Trecker

Vor fünfzig Jahren landeten die Amerikaner auf dem Mond. Ich erinnere mich gut daran, denn ich verbrachte mit meinen Eltern die Schulferien auf einem Bauernhof bei Passau. Wir saßen mitten in der Nacht im Wohnzimmer des Bauern, die Töchter des Landwirtes in dicke Bettfedern gekuschelt, vor dem Fernseher. Ein Herr Siefarth erzählte im Fernsehstudio etwas von der bevorstehenden Landung. Das lange Warten, bis sich endlich an der Raumfähre die Tür öffnete, langweilte mich. Aber ich begriff schon, dass die Mondmission für Hinz und Kunz eine aufregende Sache darstellte… Endlich betrat Neil Armstrong gegen 4 Uhr morgens MEZ den Erdtrabanten. Darauf hatten alle gewartet. Geschichte wurde geschrieben. „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“, sagte Neil Armstrong bei seinem Ausstieg – wie aus dem Drehbuch.

Das war es dann irgendwie, zurück in die dicken Daunen und träumen – nicht vom Mann im Mond, sondern vom Trecker des Bauern, auf dem es am nächsten Morgen aufs Feld gehen sollte. Ein großes Erlebnis für mich kleinen Jungen. Damals war für mich der Mond so weit weg, wie die kommenden 50 Jahre.

Heute denke ich an die zurück, die damals mit mir in der Bauernstube saßen. Die Töchter des Bauern haben inzwischen selbst Familien, leben in der Stadt, der Hof ist verpachtet. Die Träume, die wir vor 50 Jahren hatten, haben sich irgendwie alle nicht erfüllt. Nachdem sich der Konfettiregen gelegt hatte und die Flüge zum Mond für die Zuschauer fast zur Routine geworden waren, begannen ich und wohl auch die restliche „Menschheit“, die eben einen großen Sprung getan hatte, ihr Interesse an einem zweiten zu verlieren.

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2009, vierzig Jahre nach der ersten Mondlandung, fotografierte die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter den Mond mit hochauflösenden Kameras. Zum Ärger aller Verschwörungstheoretiker kann man auf diesen Fotos die Landeplätze der Mondmissionen sehen.

Man erkennt die Unterstufen der Landefähren, wissenschaftliche Instrumente und sogar die Spuren der Astronauten als dunkle Pfade im Mondstaub.

Und weil es keinen Wind und keinen Regen, keinen Schnee und weder Ebbe noch Flut gibt, ist alles noch genau so, als hätten die Astronauten gerade eben erst ihren Rückflug gestartet oder, wie die „New York Times“ schaudernd feststellte, als wären die vergangenen Jahrzehnte auf der Erde „bloß Einbildung“ gewesen.

Nein, die vergangenen 50 Jahre waren keine Einbildung, sie waren real, aber möglicherweise sind es wir, nicht die Astronauten, die vom Kurs abkamen, die aus der Zeit gefallen sind.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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